Kita Purzelbaum

Einen Beweis für interkulturelle Öffnung brauchen wir nicht,
weil wir ihn vorleben, man sieht  und hört es unserem Team schon an
• Eine Kollegin kommt aus Polen
• Eine Kollegin kommt aus Russland
• Eine Kollegin kommt aus Bali
• Die anderen Kolleginnen bestehen aus einem Mix innerhalb Deutschlands…
Unsere Familien und Besucher kommen aus Amerika, Russland, Holland, Türkei,
Indonesien, aus Chile, dem Iran und manchmal kommt Besuch aus Tansania

Was uns unterscheidet können wir nicht sagen, was uns verbunden hat, ist der
Zielgedanke dem Wachsen der Kinder Raum zu geben und die Freude am gegenseitigen
Lernen und Begegnen.

Und wir antworten auch gerne wie der Fuchs dem kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupèry:
In unserer Einrichtung wollen wir uns nicht gegenseitig zähmen,
sondern wir wollen uns vertraut miteinander machen….
…um zu erkennen
…um kennen zu lernen
…um zu begreifen
…um zu verstehen
Damit wir zusammen fröhlich leben können!

Doch was bedeutet das nun konkret für unsere Einrichtung und das Familienzentrum?

Welches Konzept verfolgen wir, bzw. wie kommen wir zu einem Konzept in unserer Einrichtung?
Konzepte können nur in der Auseinandersetzung mit sich selbst und einem Thema entstehen, deswegen haben wir uns im Team dem Thema gewidmet und sind zu folgenden Visionen und Handlungsansätzen gekommen.

Wenn man von interkultureller Öffnung spricht, hat man den Veränderungsprozess in der Gesellschaft wahrgenommen und möchte darauf humanistisch reagieren.  Und genau darum geht es unser Erachtens bei der interkulturellen Öffnung, das ist für uns der erste Schritt: -Die Anerkennung von ethnischer, kultureller und sprachlicher Vielfalt als Ausdruck der gesellschaftlichen Realität. Ohne Wertung- ohne Bewertung, sondern als Realität der wir unsere Professionalität anbieten müssen und uns somit zwangläufig in einem ständigen Veränderungsprozess befinden. 

Somit ist interkulturelle Öffnung ein bewusst gestalteter Prozess, eine Haltung die selbst-reflexive Lern – und Veränderungsprozesse von und zwischen unterschiedlichen Menschen, Teammitgliedern, Eltern, Besuchern, anstrebt. Hierzu gehören die unterschiedlichen Lebensweisen und Organisationsformen von Menschen, Familien und Gruppen, der kulturelle Hintergrund, die Religiosität, die Wertevorstellung und das Weltverständnis.
Interkulturelle Öffnung bedeutet bei uns dann über Wissensvermittlung, Wissensaneignung und gemeinsames Erleben dies alles wahrzunehmen, zu empfinden und zu begreifen, damit Zugangsbarrieren und Abgrenzungsmechanismen abgebaut werden können und eine gegenseitige Anerkennung überhaupt möglich wird und gegenseitiger Respekt und Achtung wächst.

Interkulturelle Öffnung geschieht bei uns in den Begegnungen von Koch Tiger Samstagen, bei Elternkaffees, Elternbegegnungen am Abend oder Themenangeboten, täglich bei den Tür und Angelgesprächen, dem Blickkontakt, der Wahrnehmung des Anderen. Es geschieht beim Singen, spielen, wandern, kreativ sein und bei den Aktivfesten in Begegnung und Tun. Wichtig ist uns die Zugangsbarriere gering zu halten und somit auch darauf zu achten, das Sprachbarrieren nicht zum „AUS“ führen, sondern eigentlich spannende Herausforderung und gegenseitiges Lernen beinhalten, auf allen Seiten.  Durch die Teambedingte Sprachvielfalt, sind wir hier gut aufgestellt und sind auch bereit uns fremdländischen Sprachkulturen wie dem Kiswahili zu widmen, wenn es notwendig ist. Aber vor allem ist es immer das praktische voneinander lernen. Im Kennenlernen und ausprobieren von Rezepten, Handlungsweisen, Tipps, Bastelarbeiten oder das Gestalten von Festen,  erlebt man sich gegenseitig und Verstehen und Lernen ist möglich. Es ist aber auch das Gespräch, das Zuhören, das Aufmerksam sein und das hautnahe erleben von Länderinformation und Kulturellen Ansichten über Bildmaterial und Geschichten. Wahrnehmen, Teilnehmen, mitnehmen, begreifen - leben in einer Welt, die nicht trennt sondern akzeptiert das es Andersartigkeit und Individualität nicht nur innerhalb einer Nation gibt, sondern schon immer unsere eine Welt war, die nicht  nur durch die Globalisierung und viele anderer technische und gesellschaftliche Faktoren immer näher zusammen gerückt ist.
Interkulturelle Öffnung und Kompetenz müsste in der Konsequenz Aller bedeuten, gegenseitiges Respektieren der Unterschiedlichkeiten ohne Verachtung, Hass und Niedertracht und ohne  Kulturverleugnung, egal auf welcher Seite.

Das erfordert Beziehungsarbeit, Vertrauen und Offenheit und das Aushalten der Andersartigkeit und das Tolerieren von anders Denkenden –
Doch das  wiederum ist  schon immer Grundhaltung in unsere Einrichtung und verändert sich nicht durch nationale Zugehörigkeiten oder der Unterschiedlichkeit in religiösen Anschauungen.

Alexander Thomas  Publizist und Psychologe, Soziologe sagt 2003 zur interkulturellen Kompetenz:
 „Interkulturelle Kompetenz zeigt sich in der Fähigkeit, kulturelle  Bedingungen und Einflussfaktoren im Wahrnehmen, Urteilen, Empfinden und Handeln bei sich selbst und bei anderen zu erfassen, zu respektieren, zu würdigen und produktiv zu nutzen im Sinne einer wechselseitigen Anpassung, von Toleranz gegenüber Inkompatibilitäten und einer Entwicklung hin zu Synergieträchtigen Formen der Zusammenarbeit, des Zusammenlebens und Handlungswirksamer Orientierungsmuster in Bezug auf Weltinterpretation und Weltgestaltung“.

Dies versuchen zu leben, zu gestalten, ist jeden Tag neuer Auftrag, für mich als Einzelperson, für uns als individuelle Personen eines Teams, für und mit  - meinem, mit- deinem, mit -unserem Gegenüber.

Denn interkulturelle Kompetenz verstehen wir als eine der vielen Dispositionen in dem Prozess des lebenslangen Lernens, welches man sich  immer wieder neu angeeignet, um es dann in konkreten Situationen einzubringen  und in Bezug auf  unsere Handlungskompetenz neu zu entwickelt. In Bezug auf unsere Rolle als Pädagogen im Purzelbaum bedeutet das, dass wir auch die  Förderung und Unterstützung von Kindern mit Migrationshintergrund, in unserer Beobachtung und Entwicklungsförderung einfließen lassen und dem Kind entsprechendes Material und Angebote machen. Genauso selbstverständlich wie jedem anderen Kind auch, denn die Berücksichtigung spezifischer Bedarfe eines Kindes und die Sicherheit der Partizipation dienen der Chancengleichheit Aller und sind Voraussetzung für Entwicklung, Bildung und Beteiligung.
 
In Bezug auf unser Tun im Familienzentrum bedeutet das, dass wir unsere Angebote vielfältig und offen gestalten mit Möglichkeiten dass jeder sich so wie er ist einbringen kann, Gemeinschaft erfährt und dadurch Selbstvertrauen und Selbstachtung erfährt. Das bedeutet niederschwellige Angebote – auch immer wieder gerne persönlich angesprochen und eingeladen, animierend zum Mitmachen und mitgestalten und mit organisieren.